Should I Stay or Should I go?

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Banksy Brexit and so on
Bye Bye - die Message von Banksys Gemälde in Dover ist eindeutig.

Einen passenderen Ort hätte Banksy für sein Kunstwerk nicht auswählen können. The white cliffs of Dover – die kalksteinhaltigen Klippen sind das erste was sich bei der Überreise mit der Fähre nach England offenbart. Hier passieren jeden Tag Tausende von LKW und PKW. An einem abrissreifen Gebäude in der Nähe des Hafens ist das Werk zu finden. Wer bereits einmal mit dem Zug oder der Fähre in das Vereinigte Königreich gereist ist, der kennt die Ausmaße des logistischen Aufwands, den es an der Grenze zwischen Frankreich und England zu bewältigen gilt.

Theater vor den houses of parliament.

Logistische Fließbandarbeit

Auf beiden Seiten des Ärmelkanals sind britische und französische Polizisten im Einsatz. Grund dafür ist nicht nur die Sicherheit. Diese wird anhand von Stichproben gewährleistet. Ausgewählte Fahrzeuge werden auf Sprengstoff untersucht, um zu verhindern, dass ein Anschlag auf den Eurotunnel oder die Fähre ausgeübt wird. Potentielle terroristische Anschläge zu verhindern ist nicht der einzige Aufgabenbereich des Personals vor Ort. Vor Monaten machte vor allem die andere Seite der Fährverbindung immer wieder Schlagzeilen: Calais.

In dem von den Medien häufig als Dschungel bezeichneten Gebiet um den Hafen lebten enorme Zahlen von meist illegal eingewanderten Flüchtlingen. Diese versuchten durch das Aufspringen auf LKWs unentdeckt in das Vereinigte Königreich einzureisen.  

Ein Land ist gespalten – doch einen Weg zurück gibt es nicht mehr.

Flüchtlinge auf dem Weg nach Dover

Das Bild der Hafenanlage um Calais hat sich durch die Flüchtlingssituation sichtbar verändert. Wo früher unbebaute Grünflächen zu sehen waren, befinden sich nun bis zu fünf Meter hohe, mit NATO-draht gespickte Sicherheitszäune. Häufig sind mehrere hintereinander aufgestellt. Nichtsdestotrotz scheint sogar diese Abschreckung nicht zu helfen, das Problem vollkommen zu lösen. Wirft man einen genauen Blick auf die Stacheldrahtkrone der Zäune, entdeckt man immer wieder Fetzen von Stoff. Vielleicht gehören sie zu Decken, die verwendet wurden, um den Stacheldraht und Nato-Zaun unverletzt zu überwinden. Vielleicht sind es auch Überreste von Kleidungsstücken. Mittlerweile wurde das Lager der Flüchtlinge gewaltsam geräumt, doch dennoch gibt es immer wieder neue Versuche den Ärmelkanal illegal zü überqueren.

Zoll – Sicherheit – Passkontrolle

Das Betreiben der Fähren und des Tunnels ist für die Warenversorgung des Vereinigten Königreichs unentbehrlich. Durch den freien Warenverkehr in der EU ist eine schnelle und effektive Verarbeitung dieser Massen an Waren vereinfacht worden. Im Falle eines No-Deal Abkommens würde diese Freiheit erheblich beeinflusst werden. Der Insel würde durch ein No-Deal Abkommen gar ein Engpass an Medikamenten drohen. Viele Menschen haben bereits damit begonnen Vorräte anzulegen.

Ein Beispiel verdeutlicht die Situation: Der Ausfall einer einzigen Fähre kann dazu zu führen, dass tausende Menschen stundenlang Tag auf eine andere Verbindung warten müssen. Die Taktung der Fähren ist präzise aufeinander abgestimmt. Der Fahrplan ist daher besonders anfällig für Störungen. Auch der historische Eurotunnel ist anfällig für Verspätungen. Die Konstruktion ist mittlerweile in die Jahre gekommen. Wartungen können spontan notwendig werden, um den Betrieb fortführen zu können.

Das Gebäude ist abrissreif. Das Gemälde soll daher entfernt und an einen anderen Ort gebracht werden.

Der Brexit und Deutschland

Auf dem Kontinent und vor allem in Deutschland, welches besonders abhängig vom Handel mit der Insel ist, sieht man den Brexit als eine Fehlentscheidung an. Niemand weiß welche Folgen er genau haben wird. Der Großteil der deutschen Medien ist sich jedoch einig, dass der Brexit mehr Nach- als Vorteile mitsichbringen wird.

Es mag an einem Mangel an Fantasie liegen – oder an der Tatsache, dass Veränderung in Deutschland meist sehr selten und langsam vonstattengehen. Vielleicht ist es aber auch Angst vor den Konsequenzen für die eigene Wirtschaft. Erhoffte man sich durch die Berichterstattung doch Einfluss auf die Geschehnisse auf der Insel haben zu können? Das Vereinigte Königreich ist der größte Abnehmer für deutsche Fahrzeuge in Europa. Jedes siebte Fahrzeug, dass in Deutschland vom Fließband rollt, wird in das vereinigte Königreich geliefert. Die Folgen des Brexit können auch für die Deutschen fatal enden. Wie dieses Drama ausgehen wird, ist nicht vorhersehbar.

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